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Lüthke: Arbeitshandbuch Bundestag
 
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Ehrenbürger, Ehrenfreund
In Bundestagshandbüchern erfährt man viel Unwesentliches

aus der "Süddeutschen Zeitung" vom 26. März 2003

Von Ulrich Adam bis Willi Zylajew geht das Alphabet der 603 Mitglieder des Deutschen Bundestags. Wer wissen will, woher sie kommen, welche Ausbildung sie haben und wie sie sich in der Politik hocharbeiteten, hat jetzt zwei aktuelle Abgeordneten-Lexika zur Verfügung: den klassischen, schräg rot- weiß gestreiften "Kürschner" und ein erstmals erschienenes, neuartiges "Arbeitshandbuch". Beide haben ihre Vor- und Nachteile und ergänzen sich. Wer sich über den 15. Deutschen Bundestag kundig machen möchte, wer Kontakt zu Parlamentariern sucht oder sie näher kennen lernen will, sollte beide zur Hand haben.

Das schlichte, aber praktisch handhabbare "Arbeitshandbuch Bundestag" enthält alle Namen mit Fotos, Geburtstagen, Herkunft, Telefon-, Fax- und E- Mail-Verbindungen sowie parlamentarischen Funktionen. Es ist für Politik, Medien und Institutionen aller Art zur Schnellinformation geeignet. Die Abgeordneten lassen sich auf verschiedene Art erschließen: Welchen Wahlkreis vertreten sie, in welchem Ausschuss arbeiten sie, welche Fraktionsposten haben sie, wie sind sie erreichbar?

Der Anhang enthält Mitgliederlisten aller Ausschüsse, der Fraktionen und Fraktionsvorstände, des Präsidiums und des Ältestenrats und als Zugabe eine Geburtstagstabelle, damit wir wissen, wann wir unserem Wahlkreisvolksvertreter gratulieren dürfen.

Das Arbeitshandbuch hat etliche Mängel, die mit der Geschwindigkeit des Erscheinens zu erklären und in einer Folgeauflage zu verbessern sind. So wurde bei Rolf Schwanitz (SPD) sein Amt als Staatsminister im Bundeskanzleramt, bei Horst Seehofer (CSU) seine Funktion als stellvertretender Fraktionsvorsitzender unterschlagen, bei Matthias Wissmann
(CDU) der Ausschuss-Vorsitz. Und ausgerechnet beim Abgeordneten Jürgen W. Möllemann fehlen die Telefonnummern, was besonders schade ist, denn gerade an ihn hätten wir noch einige Fragen.

Etwas flotter aufgemacht als früher und mit einem neuen, eingängigen Einleitungstext des Parlamentskorrespondenten Sönke Petersen von der Münchner Abendzeitung bietet das bewährte "Kürschners Volkshandbuch", das alle vier Jahre erscheint, wie immer Lebensläufe und Selbstdarstellungen der Abgeordneten, ebenfalls bebildert. Dabei fällt auf, dass die alten Parlamentshasen Michael Glos und Norbert Geis (beide CSU) mit fünf oder sechs Zeilen auskommen, während Parlamentsneulinge wie der 31-jährige Karl Theodor Freiherr von und zu Guttenberg (ebenfalls CSU) 22 Zeilen und mehr beanspruchen.

Nicht nur darum sind die von den Parlamentariern selbst eingereichten Angaben ziemlich unvergleichbar. Manche geben spärliche Daten preis, so etwa Irmgard Karwatzki (CDU) und Otto Schily (SPD), andere schwelgen darin, ihre Posten und Pöstchen, Ämter und Ehrenämter auszubreiten.

So wird das Informationsbüchlein nebenbei zu einem Almanach der Eitelkeiten. Spitzenreiter ist Peter Gauweiler (CSU), der sich als "Ehrenfreund", "Ehrenbürger", "Ehrenoffizier" und mehrfaches "Ehrenmitglied" sowie als Ordensträger präsentiert. Jörg-Otto Spiller (SPD) lässt wissen, dass er ein "Chevalier de la Légion d'honneur" ist.

Die meisten geben sich bescheidener und volksnäher. Viele geben an, dass sie in Heimat-, Gesangs-, Karnevals- und Sportvereinen Mitglieder sind. Der Grüne Albert Schmidt, so ist zu lesen, wirkt im Kabarett "Liederbayern Band" mit. Und etwas ganz Ungewöhnliches ist über Melanie Oßwald (CSU) zu
erfahren: Sie gehört einem "Erfinderinnenclub" an.

Ach ja, und wer seine politische Bildung überprüfen will, kann sich im Kürschner über Gesetzgebungsverfahren und die zugelassenen Parteien informieren; Statistiken zu Wahlergebnissen, Parteilisten und Wahlkreisen runden das Bild ab.


 

 



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