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Von Adam bis Zylajew geht das Alphabet
der 603 Mitglieder des Parlaments
Aus der Wochenzeitung "Das Parlament"
Zwei Nachschlagewerke sind auf dem Markt, in denen alle Volksvertreter
vorgestellt werden: das klassische, schräg rotweiß gestreifte
"Kürschners Volkshandbuch" und ein neuartiges "Arbeitshandbuch
Bundestag". Beide sind auf unterschiedliche Weise sinnvoll und
brauchbar. Sie haben verschiedene Ansätze, ergänzen sich aber. Wer
ständig mit dem Bundestag zu tun hat, wer Kontakte zu Abgeordneten
sucht oder etwas über sie erfahren möchte und wer über das Parlament
mehr wissen will, sollte beide im Bücherregal haben.
Erstaunlich schnell war das praktische Arbeitshandbuch erschienen. Die
Idee hatte Thorsten Lüthke ein früherer Abgeordneten-Mitarbeiter, der
weiß, was In den Büros im Bundestag und in den Parteien, bei Verbänden
und Unternehmen, bei Organisationen und In Redaktionen gebraucht wird.
Die Angaben sind sinnvoll geordnet und, wenn auch manchmal nicht ganz
logisch, übersichtlich dargestellt.
Der Vorteil ist, dass dieses Arbeitshandbuch nach den Bedürfnissen von
Parlamentsbüros, Medienredaktionen, Institutionen oder Lobbyisten
aufbereitet wurde. Die Bundestagsmitglieder lassen sich von
verschiedenen Seiten erschließen. Zentrale Daten sind die Telefon-,
Fax- und E-Mailverbindungen in Berlin und im Wahlkreis sowie die
parlamentarischen Funktionen. Auf Lebensläufe und Ausbildung, Partei-
und Ehrenämter wird verzichtet. Der Anhang enthält Listen der
Mitglieder aller Ausschüsse des Bundestags und der zuständigen
Referenten, dazu noch eine Geburtstagstabelle,
Die eilige Herstellung hat leider zu etlichen Ungenauigkeiten und
Lücken geführt. So konnten Geburtstage und -orte zahlreicher
Parlamentarier nicht angegeben werden, beim Abgeordneten Hans-Peter
Bartels fehlt der Bindestrich, bei Klaus Uwe Benneter die
E-Mailadresse, bei Jürgen Möllemann und Gisela Piltz die
Telefonnummer. Sogar Fehler haben sich eingeschlichen: Bei Rolf
Schwanitz wurde sein Amt als Staatsminister im Bundeskanzleramt
vergessen, bei Horst Seehofer die Funktion als stellvertretender
Fraktionsvorsitzender. Peter Ramsauer wird falsch als
"Parlamentarischer Geschäftsführer der CSU-Landesgruppe" bezeichnet,
bei Karl Hermann Haack fehlt der Hinweis, dass er
Behindertenbeauftragter der Bundesregierung Ist. Bei Matthias Wissmann
wird im Register sein Ausschussvorsitz unterschlagen, und Otto Fricke
taucht einmal als Abgeordneter, ein andermal als Fraktionsreferent
auf, was er vorher war.
Bis auf diese Schwächen, die bei einer wünschenswerten Nachauflage
leicht auszubügeln wären, ist das Arbeitshandbuch eine nützliche
Ergänzung des „Kürschners".
Er kommt etwas flotter aufgemacht daher als In früheren Jahren und hat
sich auch innen - womöglich unter dem Druck der flotten Konkurrenz -
an einigen Stellen wohltuend verändert. So wurde der etwas behäbige
Einleitungsbeitrag des politischen Korrespondenten Carl Christian
Kaiser durch einen eingängigeren und plastischeren Text des
Parlamentsreporters Sönke Petersen ersetzt. Bei allen Abgeordneten
wurden die E-Mail-Adressen hinzugefügt, obwohl das wegen des
gleichartigen Aufbaus eigentlich gar nicht nötig wäre, nicht aber die
Telefonverbindungen. Die Übersichten und Statistiken im hinteren Teil
des Bandes sind leichter lesbar als früher.
Diese kleinen Verbesserungen sind jedoch nicht durchgängig. Nach wie
vor unübersichtlich sind die ohnehin ziemlich nutzlosen Landeslisten.
24 Seiten unbebilderter Text über die Arbeitsweise des Bundestags
wirken optisch zäh. Und die Kürschner-typische Unvergleichbarkeit der
von den Abgeordneten selbst eingereichten Angaben ist oft verwirrend.
Zwar hat sich Otto Schily, der früher nur seinen Namen und das
Geburtsdatum anzugeben pflegte, mittlerweile herabgelassen, acht
Zeilen von sich preiszugeben - aber was ist das gegen den Freiherrn
Karl-Theodor zu Guttenberg, der neu im Parlament und 40 Jahre jünger
als Schily ist und 22 Zeilen über sich zu berichten hat?
Die Selbstdarstellungen der Abgeordneten in dieser Form haben einen.
fraglichen Informationswert. Ist es wichtig, dass Angelica
Schwall-Düren „Französisch in Freiburg i. Br., Montpellier und
Münster" lernte; was sagt es aus, dass Uwe Schummer 1981 bei einer
Sportkompanie der Bundeswehr Dienst tat; wem nützt die Information,
dass Ulrike Höfken "Mitgl. Verbraucherinitiative" ist, und wer hat
etwas von Günther Noltings Hinweis, er gehöre dem Aktionskomitee
"Rettet die Weißstörche" an?
Der Kürschner ist und bleibt ein zuverlässiges Nachschlagewerk, auch
wenn die Pflege der Eitelkeiten unserer Volksvertreter/Innen manchmal
kuriose Züge hat. Die nur bei genauem Hinsehen bemerkbaren
Auflockerungen machen nicht wett, dass er Insgesamt immer noch etwas
altbacken ist.
http://www.das-parlament.de
(Leider wurde die erste Hälfte des Jahrgangs 2003, in der dieser
Artikel erschien, noch nicht online verfügbar gemacht.)
Alle Flüchtigkeitsfehler räumen wir selbständig ein, zu den
unvollständigen Daten kurz folgende Anmerkungen:
Jürgen Möllemann hatte erst ab Frühjahr 2003 ein eingerichtetes
Büro im Bundestag. Er hat es erst nach seinem Ausschluss aus der
FDP-Bundestagsfraktion bezogen, eine Telefonnummer von ihm existierte
vorher nicht.
Frau Gisela Piltz war am 08. November 2002 (wenige Tage vor dem
Redaktionsschluss, des am 02. Dezember erschienen Buches) für Ingo
Wolf in den Bundestag nachgerückt.
Problematisch in der ersten Auflage waren die Regierungsfunktionen (in
diesem Fall Staatsminister Schwanitz und der Behindertenbeauftragte
der Bundesregierung, Karl Hermann Haack); ebenso können wir uns nur
für das Fehlen der notwendigen Funktionsangabe von Horst Seehofer und
Matthias Wissmann entschuldigen.
Der Abgeordnete Peter Ramsauer ist jedoch Parlamentarischer
Geschäftsführer der CSU-Landesgruppe (aber natürlich auch
Parlamentarischer Geschäftsführer der CDU/CSU-Bundestagsfraktion).
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